In Mississippi-Straddle-Spielen hat der Button bereits Geld investiert und zusätzlich Position, deshalb müssen die meisten Positionen gegen Raises deutlich tighter reagieren. Besonders wenn ein SB-Open und Rake zusammenkommen, wird die Calling-Range stark zusammengedrückt.
In Live-Games mit Mississippi-Straddle, also Button-Straddle, unterscheidet sich die Preflop-Struktur stark von einem normalen Spiel mit zwei Blinds. Der Button hat den Straddle bereits gepostet und hat in den meisten Händen auch postflop Position. Wenn also ein Spieler aus früher Position raist, können die verbleibenden Spieler nicht einfach nur nach Handstärke verteidigen.
Entscheidend sind drei Fragen: Wie stark ist die Range des Openers, wie viele Spieler hinter dir können noch squeezen, und wie stark reduziert der Rake den Erwartungswert von knappen Calls?
Nehmen wir an, der SB eröffnet in einem Button-Straddle-Pot auf 4bb. Oberflächlich wirkt das wie ein kleines Raise, aber der SB investiert aus einer sehr ungünstigen Ausgangslage. Hinter ihm sitzen noch BB, LJ, HJ, CO und der Button-Straddler, also mehrere Gegner mit Position.
Wenn der SB eine solide Strategie spielt, wird seine Opening-Range deshalb automatisch stark. Verteidigt eine frühe Position gegen diese starke Range zu weit, entstehen zwei Probleme.
Erstens liegt man bereits gegen die starke SB-Range hinten. Zweitens muss man häufig das gecallte Geld aufgeben, wenn hinter einem ein Squeeze kommt. In Games mit etwa 10% Live-Rake können deshalb selbst gut aussehende Hände wie AQo aus früher Position ein reiner Fold werden, und sogar AJs oder TT werden in manchen Konstellationen mit einer gewissen Frequenz gefoldet.
Startpot: SB 0.5bb + BB 1bb + BTN 2bb = 3.5bb
Wenn SB auf 4bb erhöht, beträgt der aktuelle Pot 7bb
Call-Kosten für Hero: 4bb
Direkte Pot Odds: 4 / 11 ≈ 36.4%
Durch Squeezes aus später Position, die starke SB-Range und den Rake ist die tatsächlich benötigte Equity aber höher
AQo ist nicht wegen seiner absoluten Stärke unangenehm, sondern weil seine Equity-Realisierung niedrig ist
Auch gegen dasselbe SB-Open unterscheidet sich der BB von UTG. Der BB hat bereits 1bb investiert, daher ist der zusätzliche Betrag für einen Call kleiner. Wenn der SB zum Beispiel auf 4bb eröffnet, muss der BB nur noch 3bb nachlegen.
Aktueller Pot nach dem SB-Raise: 7bb
Zusätzliche Call-Kosten für den BB: 3bb
Direkte Pot Odds: 3 / 10 = 30%
Der BB kann den Flop zu einem niedrigeren Preis sehen als UTG mit 36.4%
9h8h kann durch suited Konnektivität Equity realisieren, aber wegen der Action hinter einem und des Rakes bleibt zu weite Verteidigung trotzdem tabu
Dass der BB häufiger callen kann, bedeutet nicht, dass er loose mit beliebigen Händen mitgehen sollte. Es bedeutet nur, dass sein Preis besser ist als der einer Position wie UTG, die noch kein Geld in den Pot investiert hat.
In einer rakefreien Chip-EV-Umgebung ist der Call eine ziemlich wichtige Option. Der Straddle hat den Pot bereits vergrößert, wodurch die direkten Pot Odds besser werden, und gegen eine starke Opening-Range zu aggressiv zu 3-betten ist ebenfalls unangenehm.
Sobald aber 10% Live-Rake ins Spiel kommen, ändert sich die Lage. Der Erwartungswert von Grenz-Calls wird stark reduziert. In manchen Positionen fällt die Call-Frequenz unter 1%. Das sollte man aber nicht als komplett 0 verstehen. Wenn LJ gegen ein SB-Open zum Beispiel mit sehr niedriger Frequenz callt, wirkt das gemessen an allen Händen klein, kann innerhalb der tatsächlich weiterspielenden Range aber trotzdem ein relevanter Bestandteil sein.
Für die Praxis kann man es so vereinfachen.
Checkliste zur Verteidigung in Button-Straddle-Pots mit Rake
Warum der CO leichter callen kann als andere Nicht-Button-Positionen, ist simpel. Hinter ihm bleibt praktisch nur noch der Button. Und weil der Button bereits gestraddelt hat, bevorzugt er mit vielen Händen eher einen Call als eine 3-Bet. Der Call des CO läuft also seltener in einen Squeeze als ein Call von LJ oder HJ.
Natürlich gilt auch das vor allem bei niedrigem Rake, passiven Tischen oder kleinen Open-Sizes. Ist der Rake hoch und der Button ein aggressiver Squeezer, schrumpft auch der Vorteil des CO deutlich.
Der Button ist der größte Nutznießer dieser Struktur. Er hat bereits Geld im Pot, schließt mit einem Call häufig die Action ab und hat postflop die beste Position. Deshalb kann der Button eine deutlich weitere und passivere Calling-Strategie haben als andere Positionen.
Besonders in Games ohne oder mit niedrigem Rake kann der Button fast alle suited Hände und viele offsuit Broadways verteidigen. Umgekehrt muss auch der Button seine marginalen Hände reduzieren, je höher der Rake wird und je größer die Open-Size ausfällt.
Diese Range ist kein exaktes Rezept, sondern ein Beispiel, das die Struktur zeigt. Der Button hält suited Hände weit offen und begrenzt offsuit Hände stärker auf Broadways. Starke Premiumhände können ge3bettet werden, aber gegen ein starkes Open aus früher Position steigt der Call-Anteil, weil man das Risiko einer 4-Bet mitbedenken muss.
Wenn bereits ein Raise und ein Call vorliegen, muss man noch vorsichtiger werden. Auch wenn der Overcaller scheinbar einen besseren Preis bekommt als der erste Caller, wird das Problem größer, sobald hinter ihm ein Squeeze kommt.
Für Overcalls eignen sich Hände, die Multiway ihre Equity gut realisieren. Typische Beispiele sind suited Broadways wie KQs, QJs und JTs sowie mittlere Pocket-Paare wie 99-55. Offsuit-Hände wie KJo oder ATo sind dagegen gefährlicher, als sie wirken, weil selbst bei einem Top Pair häufig Kicker- und Dominierungsprobleme entstehen.
Wenn du in einem Button-Straddle-Pot mit einem Raise konfrontiert wirst, bewerte die Situation in dieser Reihenfolge.
Erstens: Sieh dir die Position des Openers an. SB- oder Early-Position-Opens solltest du stark gewichten und deine Verteidigung reduzieren. Zweitens: Zähle die aggressiven Spieler, die hinter dir noch agieren können. Wenn an deinem Tisch häufig gesqueezed wird, solltest du Calls stark reduzieren. Drittens: Berücksichtige Rake und Open-Size. Bei hohem Rake und großer Size verschwinden die meisten marginalen Calls. Viertens: Prüfe, ob du selbst der Button-Straddler bist. Am Button kannst du deutlich weiter callen als aus anderen Positionen.
원문: https://blog.gtowizard.com/mississippi-straddles-how-to-defend-vs-raises/
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