Straddle+Ante-Strukturen erhöhen das Dead Money im Preflop-Pot deutlich und verändern dadurch das traditionelle Prinzip „keine Cold Calls“. Dieser Artikel ordnet praxisnah ein, welche Hände aus EP und am BTN gecallt, ge3bettet oder gefoldet werden sollten.
In einem gewöhnlichen 1/2- oder 2/5-Cashgame ist ein Cold Call meist eine unangenehme Entscheidung, wenn jemand eröffnet hat und ich nicht im BB sitze. Hinter mir kann ein Squeeze kommen, ich gebe dem Openraiser die Initiative, und in Multiway-Pots wird auch meine Equity-Realisierung instabiler.
Kommt zum Straddle aber noch eine Ante hinzu, funktioniert dieselbe Logik nicht mehr eins zu eins. Der Pot ist schon groß, bevor überhaupt Karten ausgeteilt werden, und im Verhältnis zu meinem Call-Einsatz gibt es deutlich mehr Dead Money zu gewinnen. Deshalb werden Hände, die in traditionellen Games Folds wären, in Straddle+Ante-Strukturen zu Call-Kandidaten.
Nehmen wir ein 1/2/4-Straddle-Game, in dem 8 Spieler jeweils 1 ante zahlen. Der Startpot preflop besteht aus SB 1, BB 2, Straddle 4 und Antes 8, also insgesamt 15. UTG eröffnet auf 12. Der nächste Spieler callt 12, um an einem Pot von 27 teilzunehmen. Betrachtet man nur die Pot Odds, braucht er 12 / 39 = etwa 30.8% Equity.
Natürlich stehen hinter ihm noch 6 Spieler, deshalb darf man diese Zahl nicht blind übernehmen. Die wichtige Veränderung ist aber klar: Die Grundbelohnung für einen Call ist größer als in einem normalen Two-Blind-Game, und besonders Hände, die ihre Equity multiway gut halten, gewinnen an Wert.
Startpot: 1 + 2 + 4 + 8 = 15
Pot nach UTG-Open: 15 + 12 = 27
Call-Kosten für Hero: 12
Gesamtpot nach Call: 39
Benötigte Equity: 12 / 39 ≈ 30.8%
Das Squeeze-Risiko durch Spieler hinter Hero bleibt bestehen, aber Hände mit suited Connectivity wie 87s realisieren ihre Equity multiway gut
Betrachten wir eine Situation, in der LJ gegen ein UTG-Open spielt. Positionsbedingt sind hinter ihm noch viele Spieler übrig. Wenn er seine Calls also wahllos ausweitet, wird er von starken Squeezes verdrängt und muss Equity aufgeben.
Trotzdem callt LJ in Straddle+Ante-Spielen deutlich häufiger als in traditionellen Games. Der Grund ist einfach: Das Risiko, wenn der Call scheitert, ist zwar größer geworden, aber die Belohnung, wenn der Call funktioniert, ebenfalls.
Gute Call-Kandidaten sind hier:
Dagegen sollte man mit offsuit Broadways wie KQo oder AJo vorsichtig sein. Heads-up wirken sie stark, aber multiway geraten sie häufig in Top-Pair-Kicker-Probleme und haben wenig Draw-Erweiterbarkeit.
Viele Spieler drücken mit KK automatisch den 3-Bet-Knopf. In normalen Games ist das meist eine natürliche Entscheidung. In EP-Situationen mit Straddle+Ante kann ein Call jedoch manchmal das bessere Szenario erzeugen.
KK blockt die Ax-Hände des Gegners nicht. Das heißt: Die Spieler hinter mir können weiterhin mit Händen wie AQs, A5s oder AKo squeezen. Wenn ich mit KK nur calle und hinter mir Action kommt, kann ich mit einer starken Hand gegen einen bereits vergrößerten Pot weiterspielen.
Wenn ich dagegen sofort 3-bette, folden schwache Ax-Hände, suited Bluffs und mittlere Paare oft einfach. Es hat zwar den Vorteil, mit einer starken Hand den Pot aufzubauen, aber der Wert, einen Squeeze zu provozieren, verschwindet.
Wenn der BTN gegen ein CO-Open spielt, steht er vor ganz anderen Einschränkungen als LJ. Hinter ihm bleiben nur SB, BB und Straddle, wodurch das Squeeze-Risiko sinkt. Außerdem ist dem BTN die Position nach dem Flop garantiert.
Deshalb kann der BTN nicht nur mehr callen, sondern auch aktiver 3-Bets einstreuen. Besonders offsuit Broadways passen eher zur 3-Bet als zum Call. Hände wie KQo, AJo oder KJo sind in Multiway-Call-Pots unangenehm, erzeugen als 3-Bet aber durch Blocker Fold Equity und können einen Heads-up-Pot erzwingen.
Suited Aces haben auf beiden Seiten Wert. Sie können gecallt werden und multiway bestehen, und als 3-Bet blocken sie Teile der 4-Bet-Range, während sie solide Backup-Equity behalten.
Theoretisch halten Squeezes der Spieler hinter dir und 4-Bets des Openraisers Cold Calls und 3-Bets in Schach. In Live-Games fehlt diese Gegenwehr an vielen Tischen jedoch.
Wenn die Spieler hinter dir in EP fast nie squeezen, kannst du suited Connectors oder kleine Pocketpairs, die eigentlich zwischen Call und Fold gemischt werden sollten, häufiger callen. Dass loose-passive Spieler hinter dir mitkommen, ist nicht perfekt, aber besser, als durch einen starken Squeeze deiner Equity beraubt zu werden.
Wenn der Openraiser in LP fast nie 4-bettet, kann der BTN aggressiver 3-betten. Besonders offsuit Broadways lassen sich schwer profitabel callen und eignen sich daher gut als 3-Bet-Kandidaten.
Checkliste für Cold-Call-Entscheidungen in Straddle+Ante
Straddle+Ante-Games verändern die Grundlandschaft preflop. Wenn mehr Dead Money im Pot liegt, sinkt der Break-even-Punkt eines Calls, und Hände, die multiway Equity halten können, steigen im Wert.
Das bedeutet aber nicht, dass man mit beliebigen Händen callen sollte. In EP musst du deine Call-Range am Squeeze-Risiko ausrichten, während du am BTN deine 3-Bet-Frequenz am 4-Bet-Risiko orientieren solltest. Entscheidend ist, die Gewohnheiten aus traditionellen Two-Blind-Games nicht unverändert zu übernehmen.
원문: https://blog.gtowizard.com/cold-calling-in-straddle-ante-games/
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