Der Small Blind hat zwar bereits Geld investiert, spielt aber fast immer ohne Position. Dieser Artikel zeigt, wie du Verluste reduzierst, indem du stealst, 3-bettest, Calls einschränkst, dich an die Tendenzen des BB anpasst und Donkbets vermeidest.
Der Small Blind (SB) ist im Hold'em strukturell die ungünstigste Position. Du hast schon vor dem Kartensehen 0.5bb investiert und musst nach dem Flop nicht nur vor dem Button, sondern auch vor dem Big Blind (BB) agieren. Deshalb darfst du dein Ziel nicht falsch setzen. Es geht im SB weniger darum, großen Gewinn zu machen, sondern darum, wie stark du automatisch auslaufende Chips reduzierst.
Wenn alle früheren Positionen gefoldet haben und die Action beim SB ankommt, gibt es nur noch einen Gegner: den BB. Das ist fast der einzige Moment, in dem der SB sehr aggressiv umschalten kann. Viele Spieler folden im BB zu viel, besonders in Livegames oder auf niedrigen Stakes. Dort sieht man häufiger „Ich will mich nicht unnötig verwickeln“ als „Ich habe schon 1bb gezahlt, also schaue ich mal“.
In Cashgames kann die SB-Open-Range als erste Aktion je nach Gegner bis auf 40-50% aller Hände anwachsen. Allerdings gibst du dem BB einen zu guten Preis, wenn du gewohnheitsmäßig klein openraist. SB vs BB ist es praktisch oft besser, auf 3bb oder mehr zu eröffnen und den Call-Preis für den BB unangenehm zu machen.
Zusätzliche Investition von Hero: 2.5bb
Sofort gewinnbarer Pot: 1.5bb
Break-even-Foldfrequenz des Steals: 2.5 / (2.5 + 1.5) = 62.5%
Benötigte Equity des BB beim Call: 2 / 6 ≈ 33.3%
Je kleiner du eröffnest, desto leichter wird der Call für den BB; je größer du eröffnest, desto unangenehmer wird seine Verteidigung
In Turnieren ändert sich die Lage etwas, sobald Antes im Spiel sind. Weil der Pot größer wird, kann auch der SB-Limp strategisch eingesetzt werden. Besonders gegen einen BB, der nicht übermäßig raist und nach dem Flop viele Fehler macht, entsteht die Option, manche mittelstarken Hände per Limp zu steuern.
Weil im SB bereits 0.5bb liegen, fühlt es sich leicht so an, als müsse man „nur ein bisschen mehr zahlen“. Aber BB und SB sind völlig unterschiedlich. Der BB schließt preflop oft die Action ab, während hinter dem SB noch der BB sitzt. Selbst nach einem Call kann man vom BB gesqueezed werden, und wenn man den Flop sieht, spielt man fast immer out of position.
Besonders in Multiway-Pots, in denen es bereits einen Raise und einen Call aus früheren Positionen gab, sind lose Calls aus dem SB ein großes Leak. Nur deshalb mitzuspielen, weil die Hand suited ist, führt oft dazu, dass man selbst bei einem Treffer gegen stärkere Top Pairs, höhere Flushdraws oder bessere Kicker gebunden ist.
Preflop-Call-Kosten: 2.5bb
Pot nach dem Call: 10bb
Oberflächliche Pot Odds: 2.5 / 10 = 25%
Aber man ist häufig von KQ, AK, KJs des LJ dominiert
Wegen möglicher BB-Squeezes und der OOP-Belastung am Flop sollte die tatsächlich benötigte Equity höher als 25% angesetzt werden
Die einfachste und stärkste Grundstrategie gegen Raises im SB ist 3-Bet oder Fold. Wenn du Calls reduzierst und 3-Bets erhöhst, entstehen drei Vorteile.
Erstens nimmst du dem BB die Gelegenheit, günstig mitzugehen oder zu squeezen. Zweitens steigt die Chance, gegen den ursprünglichen Raiser einen Heads-up-Pot zu spielen. Drittens übernimmst du preflop die Initiative und vermeidest eine passive Struktur, in der du am Flop nur checkst.
Das bedeutet natürlich nicht, dass du mit beliebigen Händen 3-betten sollst. Gegen Opens aus früher Position bilden starke Hände wie QQ+ und AK den Kern. Gegen weite Ranges wie Button-Opens kannst du einige Bluff-Kandidaten wie A5s-A2s, KTs, QTs oder 76s einmischen. Wichtig ist: Je später die Open-Position des Gegners, desto weiter kann auch die SB-3-Bet werden; je früher die gegnerische Position, desto tighter sollte die SB-3-Bet sein.
Die Profitabilität deiner ersten Aktion im SB hängt stark davon ab, wer links von dir im BB sitzt. Wenn der BB tight ist und fast nie 3-bettet, darf der SB weit eröffnen. Wenn der BB dagegen viel flat callt und nach dem Flop dauerhaft Druck macht oder häufig mit 3-Bets zurückspielt, wird ein automatischer SB-Steal sofort gegen dich verwendet.
5 Dinge, die du vor einer Aktion im SB prüfen solltest
Wenn der BB ein starker Spieler ist, ist es keine Niederlage, im SB weniger Hände zu spielen. Auch nicht erzwungen aus einer schlechten Position zu kämpfen, ist eine Fähigkeit. Wenn der BB dagegen übermäßig passiv ist, kann der SB zu einem der einfachsten Spots werden, um Chips einzusammeln.
Wenn der SB per Call den Flop gesehen hat, liegt der Range-Vorteil in den meisten Fällen beim ursprünglichen Raiser. Trotzdem donkbetten schwächere Spieler häufig mit Begründungen wie „Ich muss mein Top Pair schützen“ oder „Ich darf Draws nicht billig sehen lassen“.
Das Problem ist, dass eine Donkbet aus dem SB die eigene Range zu durchsichtig macht. Starke Hände sollten für Check-Raises in der Range bleiben, mittelstarke Hände sollten per Check-Call den Pot kontrollieren, und schwache Hände brauchen einen Check-Fold. Wenn du alles durch eine Bet zuerst lösen willst, kann der Gegner einfach raisen oder callen und am Turn Druck machen.
SB-Strategie muss nicht spektakulär sein. Erstens greifst du den BB häufig an, wenn alle gefoldet haben. Zweitens verteidigst du gegen Raises nicht so weit wie im BB. Drittens baust du Hände, mit denen du weiterspielst, stärker um 3-Bets als um Calls herum auf. Viertens passt du deine Open-Frequenz an die Tendenzen des BB links von dir an. Fünftens gibst du die Gewohnheit auf, mit Flop-Donkbets scheinbar einfach den Pot gewinnen zu wollen.
원문: Upswing Poker
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